CO₂-Minderungspfade der thermischen Abfallbehandlung in Bayern
Die bifa-Studie für das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz bewertet Möglichkeiten der CO₂-Abscheidung und CO₂-Minderung
Auf dem Weg zur Treibhausgasneutralität sind alle Reduktionsmöglichkeiten in den einzelnen Sektoren auf den Prüfstand zu stellen. Der Abfallsektor ist einer davon.
Momentan werden in Bayern jährlich rund 3,2 Mio. t Abfall in 14 Siedlungsabfall-Verbrennungsanlagen entsorgt. Aus der Verbrennung entstehen 3,3 Mio. t CO₂. Für diese CO₂-Emissionen gilt es, Lösungen zu finden.
Vorrangig werden derzeit Ansätze diskutiert, um das entstandene CO₂ vor Emission abzufangen und es dann entweder dauerhaft geologisch zu speichern (CCS) oder für andere Prozesse weiter zu nutzen (CCU). Zur Abtrennung aus dem Abgas ist die Technologie der Aminwäsche mit Abstand am stärksten ausgereift. In der Studie werden auch andere Verfahren analysiert, die in den nächsten Jahren zur Einsatzreife kommen könnten.
Die CO₂-Abscheidung an thermischen Abfallbehandlungsanlagen erfasst CO₂ sowohl aus fossilem wie auch aus biogenem Abfall. Die Abtrennung der fossilen Anteile entspricht der Konzeption von CCS und CCU. Die Abtrennung der biogenen Anteile eröffnet weitgehend den Weg zu Negativemissionen. Negativemissionen werden mit der Annäherung an die Treibhausgasneutralität wichtiger werden, unvermeidbare Restemissionen an anderer Stelle auszugleichen. Das jetzige Augenmerk auf CCS mit fossilen Emissionen sollte in der thermischen Abfallbehandlung daher zukünftig auch auf die biogenen CO₂-Emissionen und deren Entnahme aus der Biosphäre gelenkt werden.
Treibhausgas-Minderungspotenziale ökobilanzieller Art liegen daneben in einer energetischen Optimierung der bestehenden Anlagen insbesondere durch die Maßnahmen Rauchgaswärmenutzung, Rauchgaskondensation und Wärmenutzung aus dem Turbinenabdampf.
CCS ist keine Lösung für alles, sondern bringt neue Fragestellungen und Herausforderungen mit sich, die gegenüber den Chancen abgewogen werden müssen. In einer Klimaschutz-Gesamtstrategie sollte CCS nachrangig zu Treibhausgas-Minderungsmaßnahmen positioniert werden und damit im Umfang begrenzt werden. Im Ergebnis dieser Abwägung erscheint die Umsetzung von CCS in der thermischen Abfallbehandlung jedoch grundsätzlich sinnvoll.
Um den Weg hierfür zu ebnen, zeigt die Studie notwendige und förderliche Handlungsschritte auf, u. a. im Bereich gesetzliche Regelungen, geologische CO₂-Einspeicherung, Kohlenstoff-Kreislaufwirtschaft, CO₂-Transportinfrastruktur, Minderung der Investitionshürden sowie F&E.
Die Studienergebnisse wurden und werden in Konferenzbeiträgen publiziert (Berliner Konferenz Abfallwirtschaft und Energie 2025, Bayerische Abfall- und Deponietage 2025, C.A.R.M.E.N.-Symposium 2025).